Der saarländische Landesverband der Piratenpartei zeigt sich enttäuscht
über das Verhalten der Bundesregierung im Umgang mit den gestohlenen
Schweizer Kontodaten.
Ein Rechtsstaat zeichnet sich dadurch aus, dass jeder Bürger und
jedes Unternehmen gewisse Rechte hat, die nur in begründeten
Ausnahmefällen aufgrund eines Gesetzes durch einen Richter außer Kraft
gesetzt und auch dann nur durch Strafverfolgungsbehörden überschritten
werden dürfen. Das macht die Aufklärung von Verbrechen manchmal
ziemlich schwierig, aber dieses Prinzip gibt uns auch Rechtssicherheit
und schützt uns vor Willkür durch Polizei und Staat. Der Informant, der
die Kontodaten aus der Schweiz beschafft hat, hat dies ohne gesetzliche
Grundlage, ohne richterlichen Beschluss und ohne die Kompetenzen einer
Strafverfolgungsbehörde getan. Er hat sämtliche Instanzen der
staatlichen Gewaltenteilung umgangen. Wenn die Regierung sich jetzt auf
diesen Handel einlässt, begibt sie sich selbst auf diesen Weg, der zwar
schneller zum Ziel führt, aber eben gegen sämtliche Prinzipien unseres
Rechtsstaats verstößt. Das finden die saarländischen Piraten höchst
bedenklich und sprechen sich deswegen entschieden gegen diesen Deal
aus.
„Wenn man auf solche Angebote eingeht, schafft es auch Anreize,
dass in Zukunft vermehrt Angestellte Datensätze stehlen werden und
diese den Strafverfolgungsbehörden verkaufen. Das ist der Supergau für
den Datenschutz. Nur weil hier das Bonbon besonders groß ist,
rechtfertigt es die Tat noch nicht. Im Gegenteil, es wird die Büchse
der Pandora geöffnet!", meint Marc Großjean, Vorstandsvorsitzender der
Saar-Piraten. „Sollen zukünftig wirklich Angestellte in der
Mittagspause vertrauliche Kundeninformationen nach möglichen Anzeichen
auf Straftaten durchforsten, um dem Staat gegen Bezahlung bei der
Verbrechensermittlung zu helfen, praktisch als informelle Mitarbeiter?“
„Insbesondere der Vergleich mit der Kronzeugenregelung hinkt an
dieser Stelle mehr als nur auf einem Bein. Bei der Kronzeugenregelung
arbeitet der Staat mit bereits kriminellen Personen zusammen, die im
Gegenzug für ihre Aussagen eine Strafmilderung erfahren können, was
häufig auch als Ausstiegsmöglichkeit aus der organisierten Kriminalität
genutzt wird.
Im Fall der Steuer-CD arbeitet der Staat aber mit Personen
zusammen, die nur kriminell wurden, weil sie sich mit dem Verkauf der
Daten am Staat finanziell sanieren wollen! Das ist staatlich
subventionierte Kriminalität!“, so Marc Großjean weiter.
Dass man Steuerhinterzieher bestrafen sollte, ist nicht Gegenstand
dieser Kritik, sondern die Art und Weise, wie hier jegliche
Rechtsstaatlichkeit außer Kraft gesetzt wird. Wenn einzelne Länder wie
die Schweiz sich weigern, mit anderen Ländern im Kampf gegen
Steuerhinterziehung zusammenzuarbeiten, muss man diese Länder durch
internationalen Druck zur Zusammenarbeit zwingen und nicht einfach über
illegale Umwege sich Zugriff zu den sonst verschlossenen Daten
verschaffen.
Abgesehen von der Frage, ob die Daten gekauft werden sollen oder
nicht, zeigt dieser Fall aber auch, wie unsicher Datensammlungen im
Allgemeinen sind. Die Geschäftsgrundlage der Schweizer Banken ist ihre
Verschwiegenheit. Deswegen ist anzunehmen, dass ihre Maßnahmen zum
Schutz vor Diebstahl dieser Daten dem neuesten Stand der Technik
entsprechen. Unter diesem Gesichtspunkt fällt es schwer zu glauben,
dass die Daten, die die Bundesregierung im Rahmen von
Vorratsdatenspeicherung, ELENA und ab 2011 auch der elektronischen
Gesundheitskarte erstellt, sicher vor dem Zugriff durch Kriminelle
sind.
Aus diesem Grund fordert die Piratenpartei schon seit Langem, dass
derartige Sammlungen von großen Mengen sensibler Daten generell zu
unterlassen sind.
Besonders die letzten beiden Absätze zeigen einen wunden Punkt, der in der bisherigen Diskussion um die Steuer-CD untergegangen ist.
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